Monatsarchiv: Oktober 2011

„GermanistInnen in der Privatwirtschaft“ diesmal in Timisoara, Rumänien

Mit Unterstützung der Donauschwäbischen Kulturstiftung, des DAAD und des Kulturforums Bukarest wurde der Workshop „Perspektive Privatwirtschaft und Unternehmen für GermanistInnen“ zum dritten Mal von 27.10.-29.10.2011 in Timisoara/Rumänien abgehalten.

Obwohl die Anreise dieses Mal sehr lang war, wenig Studierende aus Timisoara teilgenommen haben, wir die Zeitumstellung einfach vergessen haben (in Rumänien muss man die Zeit um eine Stunde vor stellen) und wir in einem salvatorianischen Kloster übernachtet haben, hat sich die Reise für die neun Studentinnen aus Osijek wieder ausgezahlt. Bojana, Maria und Volker, die Vortragenden, haben sich trotz wunderbaren Wetters und der herrlichen Stadt Timisoara nicht ablenken lassen und sich wieder für unsere Studierenden ins Zeug gelegt.

Wir können uns bald auf einige neue Sprachschulen in der Region Osijek freuen…

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Was ist also „österreichisch“ in Osijek?

Nach den sehr erfolgreichen österreichischen Kulturtagen in Osijek, bei denen auch die Gewinnerinnen und Gewinner des Preisausschreibens vorgestellt wurden, möchte ich Ihnen nun die Texte und Fotos aller TeilnehmerInnen nicht vorenthalten und mich damit noch einmal bei den TeilnehmerInnen bedanken.

      

Zwei TeilnehmerInnen möchte ich aber besonders hervorstreichen:

Den Gewinnertext der 14-18 jährigen von Paula Rem „Erinnert Ihr Euch an die Zeit?“: Sie hat eine Liebeserklärung an das Kino Urania geschrieben, das am Samstag nach 99- jährigen Bestehen in seiner gewohnten und unvergesslichen Form zugesperrt hat. Obwohl ich erst seit 2 Jahren in Osijek lebe, war das Kino Urania ein wichtiger Bestandteil meines kulturellen Lebens hier und ich hoffe, es findet sich ein Weg das Gebäude als Kulturraum zu erhalten. Viele Menschen kämpfen mit großem Einsatz darum.

Der zweite Text ist von Vladko, ein Wienliebhaber, der leider noch kein Deutsch kann (aber er möchte es lernen) und seinen Text auf Kroatisch eingeschickt hat. Außer Konkurrenz, weil die Voraussetzung ja deutsch zu schreiben, war, wurde auch sein Text ausgestellt. Am nächsten Abend, bei der Abschiedsfeier von Kino Urania, durfte ich Vladko kennen lernen. Er erzählte, dass er nach seinem Studium unbedingt in Wien leben möchte, seine Freundin jedoch Paris, weil sie die deutsche Sprache hässlich findet. Wo auch immer es die beiden hinverschlägt, es war mir ein großes Vergnügen sie kennen zu lernen.

In dem einen Fall geht es um ein Gebäude, das noch zu kakanischen Zeiten gebaut worden ist und heute von zwei Großkinoketten (absurder Weise ist eine davon aus Österreich) verdrängt werden soll, im anderen Fall um eine ganz persönliche Liebe zu Wien, die Ausdruck in kroatischer Sprache gefunden hat.

Aber genug der Rederei, lassen wir nun die kleinen Kunstwerke für sich sprechen:

14-18 Jährige:

1. Platz: Paula Rehm

Erinnert ihr Euch an die Zeit?

Erinnert ihr euch an die Zeit, die lange Zeit der berühmten Osijeker Kinos Europa und Uranija? Wenn ihr ein Teil der ferneren Vergangenheit seid, denkt ihr sicherlich zumindest auch an Crvena zvijezda und Papuk, Träger und Verbindungsglieder der modernen und traditionellen Kultur. Erinnert ihr euch an den Korzo[1] und die langen Spaziergänge durch die Parks der grünsten Stadt Jugoslawiens? Erinnert ihr euch an die endlosen, romantischen Abende voll von neuen Bekanntschaften mit dem Wohlgeruch von Popcorn? Einen Blick auf die herrliche Drava-Brücke und den Schauer der Erregung, bevor man das schöne Jugenstilgebäude des Uranija- Kinos betritt? Dieses Gebäude beeindruckt mit dem neuesten Filmangebot wieder und wieder.

Erinnert ihr euch an Viktor Axmann,  Österreicher, der die kroatische Nationalität übernommen hat, der dieses Gebäude als Kino im Jahre 1912 baute und eine Brücke zwischen dem deutschen Jugendstil und dem Sezessionstil in Osijek baute? Osijek hat immerhin einen Teil seiner alten, essekerischen Kultur bewahrt. Aber lasst euch nicht in die Irre führen – vergesst nicht die essekerischen Kinos Slavija und Royal als ein Teil einer schon verlorenen Vergangenheit.

Essekerer, schützt eure Stadtkultur! Im Gebäude des Filmtheaters Uranija könnte eines Tages der Zettel hängen:

An dieser Stelle war einmal ein Kino, heute ist es ein Kasino .

Eigentlich zeigt sich der Unterschied im Wort nur durch zwei Buchstaben: S und I. Es scheint nicht wichtig, aber auch nicht richtig – weil der Wille selbst kein Glück gebracht hat – aber sonst seid ihr gezwungen, den Verlust essekericher Filmtradition zu bezeugen. Nur durch den Erhalt des kulturellen Lebens, besteht die Stadt gegen ihre Konkurrenz! Soll heißen: Wir sind stärker!

Blüh‘ im Glanze dieses Glückes,

 Blühe, essekeriche Potenzial!


[1] Der ursprüngliche Name Osijeker Kinos Europa – später Der Rote Stern (Crvena zvijezda) – war Corso; das Kino ist entlang der Straße, die eine langjährige Rolle des Osijeker Korso trägt– im wahrsten Sinne des Wortes.

2. Platz:  Ljubica Brigitte Nikić (16 Jahre)

Österreich in Osijek

     Der Platz “Sv. Trojstva” ist einer der ältesten Plätze Osijeks. Er hat etwas mit Österreich zu tun. 1898. Platz „Franje Josipa“ wurde er zur Ehre des 50. Jahrestags der Regierung des österreichen Kaisers genannt.

Ich kenne den Platz „Sv. Trojstva“ zwölf Jahre lang. Ich war vier Jahre alt, als meine Familie und ich nach Osijek gekommen sind. Diesen Tag habe ich etwas Unglaubliches gesehen und das hat mich fasziniert. Das was ich gesehen habe, war das Viertel Namens Tvrđa. Tvrđa sieht überhaupt nicht wie ein Teil Osijeks aus. Am schönsten fand ich den Platz „Sv. Trojstva“ und heute finde ich ihn noch schöner. Ich bin mit dem Platz irgendwie verbunden. Das ist mein Lieblingsort, wo ich relaxen und entspannen kann. Dort habe ich viele Lieder geschrieben. Wenn ich mit Freunden ausgehen will, dann ist mein erster Vorschlag, in ein Café am Platz „Sv. Trojstva“ zu gehen. Wenn es Winter ist, spielen wir im Schnee am Platz und dann trinken wir in einem dieser Cafés  Tee. Fast alles was ich mache, mache ich dort. Wenn es sehr heiß ist, gehen alle ans Meer. Mir ist es viel lieber auf dem Platz zu sein und zu  chillen. Da kann ich in Ruhe über alles nachdenken und die Musik, die aus der Musikschule kommt, hören. Oft gehe ich ins Museum. Mein Lieblingsmuseum ist auf dem Platz, na klar, aber ich weiss nicht welches Museum ich mehr mag, weil es zwei Museen auf dem Platz gibt… und nicht zuletzt: viele schöne Jungs gehen in die Wirtschaftschule, die auch auf dem Platz ist.

ALLES  ist auf dem Platz. Der Platz hat mein Leben verändert und er bedeutet mir sehr viel.

3. Platz:  Krešimir Pušić (15 Jahre)

Hallo!

Das ist ein Foto von mir selbst und meiner Vorstellung von einer süßen Verbindung zwischen Österreich und Kroatien. Sie können mich hier sehen, wie ich an einem Tisch sitze und wie sich meine Osijeker Zunge auf die Mozartkugeln und eine Julius Meinl Kaiser Melange freut.

Mmmmmm… Mozartkugeln sind meiner Meinung nach so lecker. Ihre leichte Süße erinnert meine Zungenspitze sofort an Österreich.

Persönliche Erfahrungen können am Besten dazu beitragen, sich ein persönliches Bild von einem Land zu machen, z.B. meine persönliche Erfahrung sagt mir, dass österreichische Schokoladen toll sind. Über Österreicher weiss ich auch, dass sie sehr stolz auf ihre Landschaften sind, besonders auf ihre Alpen. Aus meiner persönlichen Erfahrung weiss ich, dass sie sehr stolz auf ihre Alpen sein dürfen, weil sie die beste Alpenmilch für ihre Schokoladen produzieren. Ich finde es auch toll, dass ich diese Schokoladen in Osijek kaufen kann.

Heutzutage haben gutes Essen und Gastronomie einen grossen Einfluss auf die Beziehungen zwischen den einzelnen Ländern. Kroatien und Österreich, Osijek und Wien, haben sehr gute Beziehungen dank dem guten Essen. Das Wiener Schnitzel ist in meinem Haus in Osijek sehr beliebt. Zuerst wollte ich meine Familienmitglieder fotografieren, wie sie die besten Wiener Schnitzel, die regelmässig von meiner Mutter vorbereitet werden, genießen, aber ich habe mich doch für die Kugeln entschieden, weil sie so edel sind und man genießt sie zu besonderen Anlässen.

Julius Meinl Kaffee wird in den besten Kaffehäusern Wiens serviert und jetzt begleitet er mich hier in Osijek. Er bietet mir einen kleinen Urlaub in Osijek nach Wiener Art!

18+

1. Platz: Dunja Piperković und Luka Pejić

Die Geister der Vergangenheit

Der kalte Herbstwind stieß ihm in den Rücken, während er durch die Straßen der Altstadt wanderte. Die Gebäude waren ihm bekannt, so wie die Gesichter der stolzen Denkmäler, deren Blick er fühlte. Noa war hier kein Ausländer, aber die Nacht und der Alkohol warfen ihn ins Unbekannte. Ein weiteres Durchfallen im Examen lieβ einen Vorhang fallen und bedeckte seine Augen. Der junge Student der Geschichte konnte die Stimmen, die aus den Gaststätten von allen Seiten kamen, nicht erkennen. Er hörte nur das bedeutungslose Rauschen. Er dachte nur an die verdammte Prüfung,  die er wieder nicht bestanden hatte.

Beim Versuch sich daran zu erinnern, wo er Fehler gemacht hatte, gingen vor seinen Augen die Bilder der längst vergangenen Zeit vorbei. Die vergessene keltische Siedlung, die Trümmer der römischen Kolonie, türkische Spuren im Schlamm des mittelalterlichen Osijek … Er betrat und verlieβ die Gassen, als ob er aus einer historischen Epoche zur anderen sprang.

Als er an einem alten Volkswagen vorbeiging, setzte er sich auf den Boden. Er hatte sowieso keine Eile und er wusste nicht, wohin er ging. Dann erblickte er etwas Ungewöhnliches, etwas, was seinem Verstand trotzte.

Durchscheinend wie ein Spinnennetz schwebte ihm eine weiβe Silhoutte vor den Augen. Die Angst erlaubte ihm nicht, sich zu bewegen. Er konnte nur den Anblick ängstlich betrachten. Dann erinnerte er sich an die Geschichten, mit denen die Großmütter ihre Enkel erschreckt hatten. Der Geist von General Johann von Beckers schritt durch die Straßen in Tvrđa. Ein österreichischer Bauer, aus der Osijeker Altstadt aus dem achtzehnten Jahrhundert, verließ Noa ohne Worte. Der alte General war nicht der Einzige; dort befand sich noch der Schriftsteller Alexander Roda Roda, der Maler Hugo Conrad von Hötzendorf, Adolf Waldinger und die anderen, die einmal gemeinsam den Habsburger, mitteleuropäischen Stadtgeist bildeten. Bekannte und unbekannte Leute standen vor dem jungen Noa: österreichische Kaufleute, Künstler, Arbeiter, Esseker blauen Blutes, Menschen, die in den Jugendstilgebäuden gelebt hatten, auch Menschen, die die österreichischen Zeitungen in Osijek veröffentlicht hatten… Der Tanz dieser Leute in der Luft dauerte eine kurze Zeit und verschwand wie Noas Kater. Die Geister der Vergangenheit wurden ein Bestandteil der Gegenwart und in der Mitte dieser seltsamen Zeitverbindung fand sich ein verwirrter junger Mann, der die eigene Vernunft von der Trunkenheit nicht mehr unterscheiden konnte.

Nach ein paar Sekunden stand Noa auf. Die Nacht war noch kalt, Clubs und Cafés waren voll von jungen Menschen, und die Denkmäler beobachteten noch immer das abendliche Spiel von Jugend-und Seelenfrieden. Als er in der Stille abfuhr, schien dem erstaunten und erschrockenen Noa die Geschichte nie näher undklarer.

2. Platz: Olja Ničić

Ein bisschen Österreich in meiner Heimatstadt muss sein

 Sonntagnachmittag. Da riecht es so was von gut aus der Küche. „Muttiiii. Was machst du denn da?“  frage ich. „Apfelstrudel.“ Antwortet sie.  „Oh lecker, wird es bald fertig?“ schreie ich aus meinem Zimmer.  „Ja, ja. Bald. Komm doch mal her. Ich will dir was erzählen.“ „Erzähl!“

Damals vor zehn Jahren habe ich mir das erste Mal die Geschichte über österreichische Tiroler Apfelstrudel angehört und von da an riecht er noch immer in meiner Nase.

Das Rezept und die Geschichte erlernte meine Mutter von ihrer Großmutter.
Ich würde es etwas Österreichisches aus meiner Familienküche, nennen.
Wenn ich mein altes Fotoalbum aufschlage und mir die Bilder anschaue auf denen ich mit meinen Freunden vor dem Schloss Schönbrunn in Wien stehe, so richtig durchgefroren mit einer Tasse heißer Schokolade, wird mir sofort so richtig warm ums Herz. Sechs Jahre später ist es noch immer die einzige Tasse aus der ich, und nur ich trinke, die speziell vorsichtig gewaschen und benutzt wird und die in mir die zauberhaften Bilder meines ersten „Advent in Wien“ erweckt.
Ich könnte jetzt mit meinem Aufzählen fortfahren, aber so würde es kein Ende geben, ich könnte über die Österreichische Bibliothek schreiben, neben der ich jeden Tag auf meinem Heimweg von der Uni vorbeifahre, oder Cineplexx, das österreichische Kino, das neulich in Osijek eröffnet wurde, sogar Josip Juraj Strossmayer spielt hier eine wichtige Rolle; wieso er?

Meine Freundin lebt in der Strossmayer Straße, die beste Pizza kann man in der Pizzeria Strossmayer bestellen, meine Universität wurde nach dem bekannten Bischof und Politiker Josip Juraj Strossmayer gennant. Und was er mit Österreich zu tun hat? Na ja, sein Urgroßvater war ein Österreicher. Wussten sie das?

Ich will jetzt zu dem schönsten und für mich wichtigsten Teil dieser ganzen Geschichte kommen, und zwar zu meinem Lieblingsteil Osijeks, die Drau. Die Drau ist ein Nebenfluss der Donau, der durch Südtirol (Italien), Osttirol und Kärnten (Österreich) sowie durch die Untersteiermark (Slowenien) und dann endlich durch Kroatien und Osijek und am Ende nach Ungarn fließt. Sie bringt uns also etwas Österreich mit sich.

Sonnenaufgang, Sonnenuntergang, Spaziergänge, Sommer, Baden, die Brücke, das Händchenhalten,  die Erinnerungen… das und vieles mehr verbindet mich mit dem schönsten Fluss der Welt, meiner Drau.

3. Platz:  Nataša Horvat

…Oktober… gegen Mittag…

 

Liebes Tagebuch!

Es ist schon lange her, als ich das letzte Mal Österreich besuchte. Viele Jahre sind vergangen, sechs wenn ich mich nicht täusche. Sechs Jahre ist Österreich in meinen Erinnerungen gespeichert, sechs Jahre deute ich mir Bilder vor meinen Augen. Und weißt du was? Es gelingt mir. Diese Einfachheit, Eleganz und Feinheit vergisst man nicht so schnell. Nur ein Tag reichte um zu merken, wie schön dieses Land ist. Von der Architektur, dem Landschaftsbild bis hin zur Kultur. Oft habe ich mich gefragt, ob es eine kroatische Stadt gibt, die in meinen Erinnerungen erwachen könnte. Du wirst nicht glauben, aber es gibt sie! Osijek, die Stadt, wo ich jetzt drei Jahre lebe, macht meine Bilder über Österreich lebendig, vor allem der Fluss Drava. Ich kann dir diese Liebe nicht beschreiben! Wie die Mutter ihr Kind in den Armen hält, so umarmt die Drava Osijek wie die Donau Wien umarmt. Auch wenn mein Körper und meine Augen die österreichische Schönheiten nicht berühren, bei jedem Spaziergang, bei jedem Sonnenaufgang fliegt meine Seele über die Donau. Wer weiß, vielleicht werden wir uns eines Tages auf einer Kreuzung begegnen und zu Neujahr, wenn die Schneeflocken die Nacht ausfüllt, auf die ersten Klänge des Walzers An der schönen blauen Donau tanzen. Bis dahin, bleibt mir Osijek und Drava als Erinnerung an dich….

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