Kategorie-Archiv: Texte

Spannende Bücher in der Österreichbibliothek

An dieser Stelle sollen immer wieder neue/alte, spannende/unspannende Bücher, Lehrmaterialien oder anderes aus der Österreichbibliothek von Studierenden der Germanistik vorgestellt werden.

Julya Rabinovich, eine junge österreich-russische Autorin, wird hier von Anemarija Ručević präsentiert.

Übrigens wurden einige ihrer Texte in http://www.zentrumexil.at/ publiziert. Sie hat momentan ihre eigene Rubrik in der Sonntagsausgabe des Printstandard, der jede Woche aus Österreich an die Österreichbibliothek Osijek geliefert wird!

Julya Rabinowich- die neue (erfrischende)Stimme Österreichs

Österreich hat eine neue Stimme: die 1970 in St. Petersburg geborene Schriftstellerin und Malerin Julya Rabinowich. Die heute 42-jährige kam im Alter von  7 Jahren mit ihren Eltern nach Wien: „Mir hat es hier von Anfang an sehr gut gefallen. Im Endeffekt habe ich nie um Russland getrauert.“

In Österreich angekommen, war das größte Problem die deutsche Sprache: sie wurde direkt in die 2. Klasse gesteckt, obwohl sie kaum Deutsch konnte- „ein Sprung ins kalte Wasser“. Sie beschloß „perfekt Deutsch zu lernen, weil ich bemerkt habe, dass ich zusammen mit den Türken und Jugoslawen das apsolute Schlusslicht in der Rangordnung innerhalb der Klasse eingenommen habe.“ Sie wurde ehrgeizig und ihr erster kleiner Erfolg blieb nicht aus: sie schafte es, im Gegensatz zu einigen österreichischen Kindern, auf das Gymnasium und wurde in der 3. Mittelschule die beste Schülerin im Fach Deutsch.

Julyas Eltern waren malende Künstler- der Vater hat nie Deutsch gelernt und konnte sich auch nicht assimilieren, er war in Wien nicht glücklich und litt unter großem Heimweh im Gegensatz zu ihrer Mutter, die sich dank ihrer Deutschkenntnisse schnell eingelebt hat, einen Job fand und somit ein sicheres Einkommen hatte. Auch Julyas Oma (60), die mit nach Österreich kam, integrierte sich sehr leicht, da auch sie Deutsch, Französisch und ein bisschen Italienisch sprach.

Julyas Anfänge des literarischen Schaffens begannen bereits mit 11 Jahren, als sie ihre ersten Märchen schrieb, aber auch mit dem Geschenk einer Hofschreibmaschine, auf der sie 10-15 Kurzgeschichten schrieb und etwa 15 Romane mit über 300 Seiten. Ihr wohlbehütetes Leben schien eigentlich fehlerfrei zu laufen- bis zu dem Moment als ihr Vater unerwartet starb. Für Julya ein Schock, den sie schwer verkraftet hat- es kam zu einer Schreib- und Malblockade. Sie fühlte sich verantwortlich für den Tod ihres Vaters, weil sie sich entschlossen hat, ein komplett anderes Leben zu führen, aus ihrem wohlbehüteten Leben auszubrechen- sie schmiss die Schule, suchte sich Jobs, rebellierte, indem sie noch extremer wurde: sie probierte alles aus (das Schlechte und Verbotene), war Punk, Hippie und Gruftie- sie wechselte von einer Gesellschaft in die nächste, lebte sich darin schnell ein, was man wahrscheinlich auf ihre Emigration zurückführen kann und verlor dabei den Kontakt zur Mutter, der sich erst mit ihrer Schwangerschaft wieder herstellte, in der man bei ihr einen, während der Schwangerschaft inoperabelen, Herzfehler feststellte. Nach der Geburt ihrer Tochter, bei der sie viel Glück hatte, konnte man sie operieren, und die damals 25-jährige sah vom Aussehen und den erlebten Erfahrungen bereits wie 40 oder 50 aus.

Von da an begann ein neuer Lebensabschnitt. Julya entschied sich, über ihre Zeit in Wien zu schreiben, über die verschiedenen Zyklen, in denen sie Höhen und Tiefen erlebte und in der sich auch genug Material ansammelte.

Die heute allein lebende Schriftstellerin schreibt über die Beziehungen der Menschen zueinander: „Menschsein in einer Welt, in der nicht alles sofort klar ist. (…) Ich zoome in eine chaotische Menge von Details hinein, weil das meiner Lebenserfahrung am ehesten entspricht.“

Julya Rabinowich schreibt in ihren Werken über Themen, die uns weitgehend über die Medien oberflächlich bekannt sind: Integration in die Gesellschaft, Emigration, Entwurzelung und Orientierung in der Fremde, Identitätskrisen und Außenseiter, die sich versuchen, an das System anzupassen, Traditionen (Traditionsbrüche) und Werte, Erfahrungen von Immigration. Die Schriftstellerin zeigt diese Themen an einzelnen Schicksalen von Menschen, die in der normalen Welt, der heutigen Realität in der Masse untergehen würden und das auf eine Weise, die intensiv, poetisch, beeindruckend ist und unter die Haut geht.

 

Tagfinsternis (2007)

„Tagfinsternis“ ist ein 2007 entstandenes Drama, das die Geschichte einer fünfköpfigen Flüchtlingsfamilie erzählt, deren Alltag geprägt ist von innerfamiliären Streitereien, aber auch dem Versuch zwischen Anpassung und Traditionsbewahrung in einem Land, in dem sie keine finanzielle Sicherheit und Rückhalt haben. Trotzdem geben sie die Hoffnung nicht auf und träumen von einem Leben in den eigenen vier Wänden.

Die Eltern, Eli und Petimat, leben mit ihren beiden Kindern, Madina (15) und Abubakar (12), und der Schwester der Mutter, Zargan, in einer Flüchtlingspension und warten dort auf einen positiven Asylbescheid, der ihnen eine Zukunft in Österreich garantieren würde.

Die Ereignisse und Erlebnisse des Krieges hinterließen Folgen bei den Flüchtlingen und jeder in der Familie hat sein Schicksal: Eli hat als Krankenpfleger Widerstandskämpfer verarztet und gilt seitdem als Staatsfeind. Sein Bruder wurde in der Heimat als Geisel genommen und um ihn zu befreien, müsste sich Eli in der Heimat stellen. Zargan will den Tod ihres Mannes rächen und fühlt sich in der Familie unerwünscht, obwohl sie durch die Flucht nach Österreich gerettet wurde. Madina ist unentschlossen zwischen dem Wunsch nach Anpassung und traditionellem Gehorsam. Abubakar soll ein besseres Leben haben, weit weg von Blutrache und Kriegspflichterfüllung und Petimat wünscht sich einfach ein besseres Leben in Österreich.

Eli will der Ehre wegen seinen Bruder befreien und gerade in diesem Moment kommt der positive Asylbescheid. Petimat will ihren Mann vor dem sicheren Tod retten, denn die Chance, seinen Bruder zu retten, bedeutet gleichzeitig, seine Familie hier zu opfern. Eli kann sich den Gesetzen der Tradition nicht widersetzen und so beschließt er, seinen Bruder zu retten.

In diesem Drama stellt sich die Frage nach der eigenen Identität, nach Traditionen und deren Bedeutung für jeden Einzelnen je nach Herkunftsland. Julya Rabinowich fragt sich, was man davon hat, wenn man die eigenen Werte verleugnet und wie man dadurch Freiheit und ein besseres Leben erlangen kann. Es ist ein Drama, das von Erfahrungen der Immigration erzählt, aber auch ein uns oberflächlich bekanntes Thema behandelt, dem Warten auf Asylbescheide, das die Autorin auf eine sehr gelungene, fast poetische Weise beschreibt.

 

Spaltkopf (2008)

Rabinowichs Debütroman beschreibt zum einen die Entwurzelung einer Familie, wie auch deren Orientierung in der Fremde, zum anderen das Erwachsenwerden und die Identitätskrise einer Außenseiterin, die, wenn man Rabinowichs Biographie kennt, ebenso auch ihre Geschichte sein könnte.

Es handelt sich um die Geschichte einer jüdischen Familie, die in den 70er Jahren von Russland nach Australien emigrieren möchte, sich aber in Wien niederlässt. Die Ich- Erzählerin ist Mischka, die Tochter einer russisch- jüdischen Familie aus Leningrad, deren Eltern malende Künstler und kritische Intellektuelle sind. Die erste Station auf ihrer Emigrationsreise ist Wien, in der Mischka auf Wunsch der Eltern zahlreiche Kunstmuseen besucht und Dostojewski lesen muss, um ihre russischen Wurzeln nicht zu vergessen.

Da ihr Vater Lev Kontakte knüpft und auch seine erste Ausstellung ebenso erfolgreich organisiert, bleibt die Familie in Wien und Mischka in der Schule die Außenseiterin. Mischka wird langsam erwachsen, kommt in die Pubertät und wird in ihren Freiheiten eingeschränkt- das ist auch der Grund für ihren Revolte: sie provoziert mit ihrer Kleidung und kahl rasiertem Schädel, treibt sich herum, schläft in U- Bahnen.

Nach der Geburt ihrer behinderten Schwester Magdalena, beginnt auch die Ehe ihrer Eltern zu kriseln, der Vater reist nach St. Petersburg, wo er stirbt und begraben wird. Mischka verliert jeden Halt, ihr wird der Boden unter den Füßen weggerissen, sie gerät in eine Identitätskrise und entschließt sich nach Berlin zu gehen, wo sie in einer WG mit Studenten, Kriminellen, Feministinnen, Alkoholikern u.a. lebt.

Mischka ist auf der Suche nach sich selbst, auf der Suche nach dem „Wer bin ich? Was will ich?“, erschrickt jedoch vor sich selbst. Auch die geschlossene Ehe mit Franz ist keine Lösung, bringt ihr keine Geborgenheit und Liebe – die Beziehung hält nicht lange, sie werden geschieden. Wahnhaft identifiziert sie sich mit der mythischen Gestalt der bösen Hexe Baba Yaga. Sie tötet ihr ungeborenes Kind, will auch Franz töten, den sie zum 2. Mal heiratet.

Sie bleibt die Heimatlose und Außenseiterin, auch als sie wieder in ihre Geburtsstadt St. Petersburg reist. „Spaltkopf“ (eine Schauerfigur für Kinder, ähnlich wie „der scharze Mann“) ist eine bittere, zynische und sarkastische Geschichte des Erwachsenwerdens; ein junges Mädchen wird ungewollt entwurzelt und umgetopft. Ein Mädchen, voller Ablehnung gegen andere, die kein Glück im Westen findet.

„Spaltkopf“ ist ein sehr anspruchsvoller Roman, der die volle Aufmerksamkeit des Lesers fordert; ein Roman, der den Leser in den Bann zieht, der beeindruckend, intensiv und zugleich verblüffend ist. Das zeigt auch die Auszeichnung mit dem Rauriser Literaturpreis für die beste deutschsprachige Prosa-Erstveröffentlichung. Hiermit hat sich Julya Rabinowich nicht nur in Österreich, sondern auch in der österreichischen Literatur einen festen Platz gesichert.

 

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Was ist also „österreichisch“ in Osijek?

Nach den sehr erfolgreichen österreichischen Kulturtagen in Osijek, bei denen auch die Gewinnerinnen und Gewinner des Preisausschreibens vorgestellt wurden, möchte ich Ihnen nun die Texte und Fotos aller TeilnehmerInnen nicht vorenthalten und mich damit noch einmal bei den TeilnehmerInnen bedanken.

      

Zwei TeilnehmerInnen möchte ich aber besonders hervorstreichen:

Den Gewinnertext der 14-18 jährigen von Paula Rem „Erinnert Ihr Euch an die Zeit?“: Sie hat eine Liebeserklärung an das Kino Urania geschrieben, das am Samstag nach 99- jährigen Bestehen in seiner gewohnten und unvergesslichen Form zugesperrt hat. Obwohl ich erst seit 2 Jahren in Osijek lebe, war das Kino Urania ein wichtiger Bestandteil meines kulturellen Lebens hier und ich hoffe, es findet sich ein Weg das Gebäude als Kulturraum zu erhalten. Viele Menschen kämpfen mit großem Einsatz darum.

Der zweite Text ist von Vladko, ein Wienliebhaber, der leider noch kein Deutsch kann (aber er möchte es lernen) und seinen Text auf Kroatisch eingeschickt hat. Außer Konkurrenz, weil die Voraussetzung ja deutsch zu schreiben, war, wurde auch sein Text ausgestellt. Am nächsten Abend, bei der Abschiedsfeier von Kino Urania, durfte ich Vladko kennen lernen. Er erzählte, dass er nach seinem Studium unbedingt in Wien leben möchte, seine Freundin jedoch Paris, weil sie die deutsche Sprache hässlich findet. Wo auch immer es die beiden hinverschlägt, es war mir ein großes Vergnügen sie kennen zu lernen.

In dem einen Fall geht es um ein Gebäude, das noch zu kakanischen Zeiten gebaut worden ist und heute von zwei Großkinoketten (absurder Weise ist eine davon aus Österreich) verdrängt werden soll, im anderen Fall um eine ganz persönliche Liebe zu Wien, die Ausdruck in kroatischer Sprache gefunden hat.

Aber genug der Rederei, lassen wir nun die kleinen Kunstwerke für sich sprechen:

14-18 Jährige:

1. Platz: Paula Rehm

Erinnert ihr Euch an die Zeit?

Erinnert ihr euch an die Zeit, die lange Zeit der berühmten Osijeker Kinos Europa und Uranija? Wenn ihr ein Teil der ferneren Vergangenheit seid, denkt ihr sicherlich zumindest auch an Crvena zvijezda und Papuk, Träger und Verbindungsglieder der modernen und traditionellen Kultur. Erinnert ihr euch an den Korzo[1] und die langen Spaziergänge durch die Parks der grünsten Stadt Jugoslawiens? Erinnert ihr euch an die endlosen, romantischen Abende voll von neuen Bekanntschaften mit dem Wohlgeruch von Popcorn? Einen Blick auf die herrliche Drava-Brücke und den Schauer der Erregung, bevor man das schöne Jugenstilgebäude des Uranija- Kinos betritt? Dieses Gebäude beeindruckt mit dem neuesten Filmangebot wieder und wieder.

Erinnert ihr euch an Viktor Axmann,  Österreicher, der die kroatische Nationalität übernommen hat, der dieses Gebäude als Kino im Jahre 1912 baute und eine Brücke zwischen dem deutschen Jugendstil und dem Sezessionstil in Osijek baute? Osijek hat immerhin einen Teil seiner alten, essekerischen Kultur bewahrt. Aber lasst euch nicht in die Irre führen – vergesst nicht die essekerischen Kinos Slavija und Royal als ein Teil einer schon verlorenen Vergangenheit.

Essekerer, schützt eure Stadtkultur! Im Gebäude des Filmtheaters Uranija könnte eines Tages der Zettel hängen:

An dieser Stelle war einmal ein Kino, heute ist es ein Kasino .

Eigentlich zeigt sich der Unterschied im Wort nur durch zwei Buchstaben: S und I. Es scheint nicht wichtig, aber auch nicht richtig – weil der Wille selbst kein Glück gebracht hat – aber sonst seid ihr gezwungen, den Verlust essekericher Filmtradition zu bezeugen. Nur durch den Erhalt des kulturellen Lebens, besteht die Stadt gegen ihre Konkurrenz! Soll heißen: Wir sind stärker!

Blüh‘ im Glanze dieses Glückes,

 Blühe, essekeriche Potenzial!


[1] Der ursprüngliche Name Osijeker Kinos Europa – später Der Rote Stern (Crvena zvijezda) – war Corso; das Kino ist entlang der Straße, die eine langjährige Rolle des Osijeker Korso trägt– im wahrsten Sinne des Wortes.

2. Platz:  Ljubica Brigitte Nikić (16 Jahre)

Österreich in Osijek

     Der Platz “Sv. Trojstva” ist einer der ältesten Plätze Osijeks. Er hat etwas mit Österreich zu tun. 1898. Platz „Franje Josipa“ wurde er zur Ehre des 50. Jahrestags der Regierung des österreichen Kaisers genannt.

Ich kenne den Platz „Sv. Trojstva“ zwölf Jahre lang. Ich war vier Jahre alt, als meine Familie und ich nach Osijek gekommen sind. Diesen Tag habe ich etwas Unglaubliches gesehen und das hat mich fasziniert. Das was ich gesehen habe, war das Viertel Namens Tvrđa. Tvrđa sieht überhaupt nicht wie ein Teil Osijeks aus. Am schönsten fand ich den Platz „Sv. Trojstva“ und heute finde ich ihn noch schöner. Ich bin mit dem Platz irgendwie verbunden. Das ist mein Lieblingsort, wo ich relaxen und entspannen kann. Dort habe ich viele Lieder geschrieben. Wenn ich mit Freunden ausgehen will, dann ist mein erster Vorschlag, in ein Café am Platz „Sv. Trojstva“ zu gehen. Wenn es Winter ist, spielen wir im Schnee am Platz und dann trinken wir in einem dieser Cafés  Tee. Fast alles was ich mache, mache ich dort. Wenn es sehr heiß ist, gehen alle ans Meer. Mir ist es viel lieber auf dem Platz zu sein und zu  chillen. Da kann ich in Ruhe über alles nachdenken und die Musik, die aus der Musikschule kommt, hören. Oft gehe ich ins Museum. Mein Lieblingsmuseum ist auf dem Platz, na klar, aber ich weiss nicht welches Museum ich mehr mag, weil es zwei Museen auf dem Platz gibt… und nicht zuletzt: viele schöne Jungs gehen in die Wirtschaftschule, die auch auf dem Platz ist.

ALLES  ist auf dem Platz. Der Platz hat mein Leben verändert und er bedeutet mir sehr viel.

3. Platz:  Krešimir Pušić (15 Jahre)

Hallo!

Das ist ein Foto von mir selbst und meiner Vorstellung von einer süßen Verbindung zwischen Österreich und Kroatien. Sie können mich hier sehen, wie ich an einem Tisch sitze und wie sich meine Osijeker Zunge auf die Mozartkugeln und eine Julius Meinl Kaiser Melange freut.

Mmmmmm… Mozartkugeln sind meiner Meinung nach so lecker. Ihre leichte Süße erinnert meine Zungenspitze sofort an Österreich.

Persönliche Erfahrungen können am Besten dazu beitragen, sich ein persönliches Bild von einem Land zu machen, z.B. meine persönliche Erfahrung sagt mir, dass österreichische Schokoladen toll sind. Über Österreicher weiss ich auch, dass sie sehr stolz auf ihre Landschaften sind, besonders auf ihre Alpen. Aus meiner persönlichen Erfahrung weiss ich, dass sie sehr stolz auf ihre Alpen sein dürfen, weil sie die beste Alpenmilch für ihre Schokoladen produzieren. Ich finde es auch toll, dass ich diese Schokoladen in Osijek kaufen kann.

Heutzutage haben gutes Essen und Gastronomie einen grossen Einfluss auf die Beziehungen zwischen den einzelnen Ländern. Kroatien und Österreich, Osijek und Wien, haben sehr gute Beziehungen dank dem guten Essen. Das Wiener Schnitzel ist in meinem Haus in Osijek sehr beliebt. Zuerst wollte ich meine Familienmitglieder fotografieren, wie sie die besten Wiener Schnitzel, die regelmässig von meiner Mutter vorbereitet werden, genießen, aber ich habe mich doch für die Kugeln entschieden, weil sie so edel sind und man genießt sie zu besonderen Anlässen.

Julius Meinl Kaffee wird in den besten Kaffehäusern Wiens serviert und jetzt begleitet er mich hier in Osijek. Er bietet mir einen kleinen Urlaub in Osijek nach Wiener Art!

18+

1. Platz: Dunja Piperković und Luka Pejić

Die Geister der Vergangenheit

Der kalte Herbstwind stieß ihm in den Rücken, während er durch die Straßen der Altstadt wanderte. Die Gebäude waren ihm bekannt, so wie die Gesichter der stolzen Denkmäler, deren Blick er fühlte. Noa war hier kein Ausländer, aber die Nacht und der Alkohol warfen ihn ins Unbekannte. Ein weiteres Durchfallen im Examen lieβ einen Vorhang fallen und bedeckte seine Augen. Der junge Student der Geschichte konnte die Stimmen, die aus den Gaststätten von allen Seiten kamen, nicht erkennen. Er hörte nur das bedeutungslose Rauschen. Er dachte nur an die verdammte Prüfung,  die er wieder nicht bestanden hatte.

Beim Versuch sich daran zu erinnern, wo er Fehler gemacht hatte, gingen vor seinen Augen die Bilder der längst vergangenen Zeit vorbei. Die vergessene keltische Siedlung, die Trümmer der römischen Kolonie, türkische Spuren im Schlamm des mittelalterlichen Osijek … Er betrat und verlieβ die Gassen, als ob er aus einer historischen Epoche zur anderen sprang.

Als er an einem alten Volkswagen vorbeiging, setzte er sich auf den Boden. Er hatte sowieso keine Eile und er wusste nicht, wohin er ging. Dann erblickte er etwas Ungewöhnliches, etwas, was seinem Verstand trotzte.

Durchscheinend wie ein Spinnennetz schwebte ihm eine weiβe Silhoutte vor den Augen. Die Angst erlaubte ihm nicht, sich zu bewegen. Er konnte nur den Anblick ängstlich betrachten. Dann erinnerte er sich an die Geschichten, mit denen die Großmütter ihre Enkel erschreckt hatten. Der Geist von General Johann von Beckers schritt durch die Straßen in Tvrđa. Ein österreichischer Bauer, aus der Osijeker Altstadt aus dem achtzehnten Jahrhundert, verließ Noa ohne Worte. Der alte General war nicht der Einzige; dort befand sich noch der Schriftsteller Alexander Roda Roda, der Maler Hugo Conrad von Hötzendorf, Adolf Waldinger und die anderen, die einmal gemeinsam den Habsburger, mitteleuropäischen Stadtgeist bildeten. Bekannte und unbekannte Leute standen vor dem jungen Noa: österreichische Kaufleute, Künstler, Arbeiter, Esseker blauen Blutes, Menschen, die in den Jugendstilgebäuden gelebt hatten, auch Menschen, die die österreichischen Zeitungen in Osijek veröffentlicht hatten… Der Tanz dieser Leute in der Luft dauerte eine kurze Zeit und verschwand wie Noas Kater. Die Geister der Vergangenheit wurden ein Bestandteil der Gegenwart und in der Mitte dieser seltsamen Zeitverbindung fand sich ein verwirrter junger Mann, der die eigene Vernunft von der Trunkenheit nicht mehr unterscheiden konnte.

Nach ein paar Sekunden stand Noa auf. Die Nacht war noch kalt, Clubs und Cafés waren voll von jungen Menschen, und die Denkmäler beobachteten noch immer das abendliche Spiel von Jugend-und Seelenfrieden. Als er in der Stille abfuhr, schien dem erstaunten und erschrockenen Noa die Geschichte nie näher undklarer.

2. Platz: Olja Ničić

Ein bisschen Österreich in meiner Heimatstadt muss sein

 Sonntagnachmittag. Da riecht es so was von gut aus der Küche. „Muttiiii. Was machst du denn da?“  frage ich. „Apfelstrudel.“ Antwortet sie.  „Oh lecker, wird es bald fertig?“ schreie ich aus meinem Zimmer.  „Ja, ja. Bald. Komm doch mal her. Ich will dir was erzählen.“ „Erzähl!“

Damals vor zehn Jahren habe ich mir das erste Mal die Geschichte über österreichische Tiroler Apfelstrudel angehört und von da an riecht er noch immer in meiner Nase.

Das Rezept und die Geschichte erlernte meine Mutter von ihrer Großmutter.
Ich würde es etwas Österreichisches aus meiner Familienküche, nennen.
Wenn ich mein altes Fotoalbum aufschlage und mir die Bilder anschaue auf denen ich mit meinen Freunden vor dem Schloss Schönbrunn in Wien stehe, so richtig durchgefroren mit einer Tasse heißer Schokolade, wird mir sofort so richtig warm ums Herz. Sechs Jahre später ist es noch immer die einzige Tasse aus der ich, und nur ich trinke, die speziell vorsichtig gewaschen und benutzt wird und die in mir die zauberhaften Bilder meines ersten „Advent in Wien“ erweckt.
Ich könnte jetzt mit meinem Aufzählen fortfahren, aber so würde es kein Ende geben, ich könnte über die Österreichische Bibliothek schreiben, neben der ich jeden Tag auf meinem Heimweg von der Uni vorbeifahre, oder Cineplexx, das österreichische Kino, das neulich in Osijek eröffnet wurde, sogar Josip Juraj Strossmayer spielt hier eine wichtige Rolle; wieso er?

Meine Freundin lebt in der Strossmayer Straße, die beste Pizza kann man in der Pizzeria Strossmayer bestellen, meine Universität wurde nach dem bekannten Bischof und Politiker Josip Juraj Strossmayer gennant. Und was er mit Österreich zu tun hat? Na ja, sein Urgroßvater war ein Österreicher. Wussten sie das?

Ich will jetzt zu dem schönsten und für mich wichtigsten Teil dieser ganzen Geschichte kommen, und zwar zu meinem Lieblingsteil Osijeks, die Drau. Die Drau ist ein Nebenfluss der Donau, der durch Südtirol (Italien), Osttirol und Kärnten (Österreich) sowie durch die Untersteiermark (Slowenien) und dann endlich durch Kroatien und Osijek und am Ende nach Ungarn fließt. Sie bringt uns also etwas Österreich mit sich.

Sonnenaufgang, Sonnenuntergang, Spaziergänge, Sommer, Baden, die Brücke, das Händchenhalten,  die Erinnerungen… das und vieles mehr verbindet mich mit dem schönsten Fluss der Welt, meiner Drau.

3. Platz:  Nataša Horvat

…Oktober… gegen Mittag…

 

Liebes Tagebuch!

Es ist schon lange her, als ich das letzte Mal Österreich besuchte. Viele Jahre sind vergangen, sechs wenn ich mich nicht täusche. Sechs Jahre ist Österreich in meinen Erinnerungen gespeichert, sechs Jahre deute ich mir Bilder vor meinen Augen. Und weißt du was? Es gelingt mir. Diese Einfachheit, Eleganz und Feinheit vergisst man nicht so schnell. Nur ein Tag reichte um zu merken, wie schön dieses Land ist. Von der Architektur, dem Landschaftsbild bis hin zur Kultur. Oft habe ich mich gefragt, ob es eine kroatische Stadt gibt, die in meinen Erinnerungen erwachen könnte. Du wirst nicht glauben, aber es gibt sie! Osijek, die Stadt, wo ich jetzt drei Jahre lebe, macht meine Bilder über Österreich lebendig, vor allem der Fluss Drava. Ich kann dir diese Liebe nicht beschreiben! Wie die Mutter ihr Kind in den Armen hält, so umarmt die Drava Osijek wie die Donau Wien umarmt. Auch wenn mein Körper und meine Augen die österreichische Schönheiten nicht berühren, bei jedem Spaziergang, bei jedem Sonnenaufgang fliegt meine Seele über die Donau. Wer weiß, vielleicht werden wir uns eines Tages auf einer Kreuzung begegnen und zu Neujahr, wenn die Schneeflocken die Nacht ausfüllt, auf die ersten Klänge des Walzers An der schönen blauen Donau tanzen. Bis dahin, bleibt mir Osijek und Drava als Erinnerung an dich….

ARTIKEL WEITERHIN IN ARBEIT.

Kostproben aus der Werkstätte

Ende März fand der Schreibworkshop mit Alexander Peer, einem österreichischen Schriftsteller und Journalisten, in der Österreichbibliothek Osijek in deutscher Sprache statt.

Die Teilnehmerinnen arbeiteten hart: sie versetzten sich in Schuldirektorinnen und Schülerinnen und spielten Theater, sie versuchten sich vorzustellen, wie sich denn ein Taschenspiegel fühlen müsse, wenn er in der Handtasche einer Studentin lebt, sie schrieben gemeinsam mit Leo Perutz und Italo Calvino und fühlten sich in das Leben von alten, grauhaarigen Männern, berühmten Persönlichkeiten und kleinen, lachenden Kindern ein.

Einige Kostproben aus der Werkstätte können Sie hier nachlesen (einfach den Titel anklicken):

Maria Paradzik: Ein Taschenspiegel

Magdalena Adamcevic: eine große Überraschung

Klaudija Tot: nach dem Tod des Onkels

Trip ins Unbekannte- Ein Reisebericht.


Magdalena Adamčević, Ana Martinović und Nina Petrović berichten über den binationalen Workshop „Perspektive Unternehmen und Privatwirtschaft“ in Banja Luka, der im Oktober 2010 stattfand – über ihre Abenteuer, Erkenntnisse und Erlebnisse:

Um den Reisbericht zu lesen klicken Sie Trip ins Unbekannte.

Magdalena Adamičević, Ana Martinović i Nina Petrović izvješćuju o svojim pustolovinama, saznanjima i doživljajima sa binacionalnog workshopa „Perspektive Unternehmen und Privatwirtschaft“, koji se održao u Banja Luci u studenome 2010.Kako biste pročitali izvještaj, kliknite na Izlet u nepoznato.

(übersetzt von Andrija Kiseljak)

Schreibmaschine Osijek

Germanistikstudentinnen und -studenten der Philosophischen Fakultät Osijek berichten über Menschen zwischen Kroatien und Deutschland, zwischen Heimat und Fremde. Sie bieten Einblicke in das Leben von Gastarbeitern, Flüchtigen und Heimkehrern und werfen ein Licht auf ihre bewegte Stadt Osijek. Die Texte sind in einem Projekt mit dem DAAD- Lektor Jörn Nuber entstanden.

Lernen Sie Ihre Stadt und Nachbarn aus einem anderen Blickwinkel kennen!

Die Interviews und Reportagen können hier gelesen werden.

Konfrontationen

Maria Seisenbacher und Hermann Niklas veröffentlichten 2009 in ihren erste gemeinsamen Gedichtband

„Konfrontationen. Gedichte 2005-2009. Artwork by Goto“

im Verlag Literaturedition Niederösterreich.

Im Rahmen der Veranstaltung „Kultur der Begegnung„, die von 25.03.-27.03.2010 in Osijek unter vielen anderen in Zusammenarbeit mit dem Kulturforum Zagreb und der kroatisch-österreichischen Gesellschaft Osijek stattfand, präsentierten die beiden LiteratInnen ihr Erstlingswerk in der Österreichbibliothek. Die Lesung wurde musikalisch von Vedran Zec (Gitarre) und Davor Dedic (Klavier) begleitet.

Maria Seisenbacher und Herrmann Niklas arbeiten mit kommunizierender Lyrik in Form von Antwortgedichten, die sich als spezielle lyrische Dialogform verstehen. Ein, zu einer bestimmten Situation verfasstes Gedicht wird vom Gegenüber aufgenommen, bearbeitet und als Antwort entsteht ein neues Gedicht, das jeweils die andere Sichtweise des Erlebten wiederspiegelt. In diesen Konfrontationen wird eine Beziehung gemeinsam und gegeneinander in lyrischen Sprachbildern verarbeitet. Vom üblichen Sprachfloskeln losgelöst zeigen sich Konfrontationen einer gemeinsam fremden Sprache.

In einem gemeinsamen Projekt mit Sanja Cimer haben Studierende des Germanistikinstituts Osijek Gedichte aus dem Band „Konfrontationen“ ins Kroatische übertragen. Bei diesem Projekt, das im Februar 2010 stattfand, haben die Übersetzerinnen im Dialog mit den beiden LyrikerInnen die Gedichte erarbeitet und durch das konfrontative Gespräch die Übersetzungen entwickelt.

Das Ergebnis können Sie hier lesen:

Konfrontationen auf Kroatisch